Ferien: Ein notwendiges Übel?

„Ferienzeit ist die schönste Zeit“ heisst es in vielen Gedichten oder Liedern. Die Schweizer fahren in die Ferien, die Österreicher gehen auf Urlaub, die Italiener nennen es „vacanze“ respektive „fa niente“ und in England werden sie  sogar als „holidays“ also als „heilige Tage“ bezeichnet. Sich in der heutigen Zeit Ferien zu gönnen ist für viele nicht selbstverständlich. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, in der wir immer und überall erreichbar oder sogar abrufbar sein müssen. Für viele sind Ferien ein Luxus, den sie sich entweder nicht leisten können oder aber auch nicht leisten wollen. Denken wir nur an die vielen Workaholics, an Menschen die selbstständig sind und sich weder krank werden noch auf Urlaub fahren leisten dürfen. Doch es ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Mensch Erholung braucht. Die religiös-bedingten Feiertage kommen nämlich auch nicht von ungefähr. Was im Islam der Freitag ist, ist im Judentum der Samstag, der Schabbat, und bei den Christen der Sonntag. Immer mehr Geschäfte und Firmen sind dafür, dass sie auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben können.

Richtige Erholung tritt erst nach einer bestimmten Zeit ein. Der Körper muss sich ans Nichtstun, ans Entspannen und Relaxen nämlich erst einmal gewöhnen. Viele, mit denen ich sprach, meinten, dass sie sich erst nach zwei oder drei Wochen erholt fühlen würden. Haben wir in Zentraleuropa im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa den Vereinigten Staaten relativ viel Ferien und arbeitsfreie Tage, so wäre für die meisten hier wohl eine zusätzliche Ferienwoche im Jahr äusserst wünschenswert. Immer wieder werden bei dieser Thematik die Lehrer beneidet, die insgesamt bis zu 14 Wochen im Jahr unterrichtsfrei haben – was ja nicht bedeutet, dass sie da nichts tun. Besonders die Sommerferien zählen zu den beliebtesten im Jahr – und dies nicht nur für Schüler und Lehrpersonen. Viele freuen sich das ganze Jahr über, im Juli oder August wegzufahren oder täglich in die Badi zu gehen. Wenn dann das Wetter nicht mitspielt, ist die Entäuschung um so grösser. Andere nehmen ihre Ferien über die Wintermonate, um in südliche Länder zu fahren und dort etwa einen „Winter Escape“ zu machen. In der Schweiz dauern die Sommerferien für Schüler nur fünf Wochen. In Liechtenstein sind es sechs und in Österreich satte neun Wochen. Viele Lehrer mit denen ich sprach meinten, dass sie diese neun Wochen dringend brauchen würden, um vom Alltagsstress einmal so richtig herunter zu fahren und dem Körper eine ausgiebige Ruhephase zu gönnen.

Ferien sind gesetzlich festgehalten und müssen von den Arbeitnehmern kompensiert werden, ob sie wollen oder nicht. In einer Zeit, in der Überstunden fast schon zur Normalität gehören, sollte auf Pausen nicht vergessen werden. Denn mit den Ferien ist es doch genauso wie mit dem Schlaf: Wenn wir nicht schlafen, dann sterben wir. Wer nie abschalten kann, wird früher oder später wohl oder übel in einem Burnout landen. Eine Reise nach Italien, Spanien oder Griechenland kann hier dem einen oder der anderen vielleicht helfen und zeigen, wie süss das Nichtstun sein kann.

 

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