Von kritischen Schülern und ihren Eltern

Wenn es um Schulkritik geht, dann handelt es sich stets um ein sehr dankbares Thema. Denn alle Kritiker haben etwas Fundamentales gemeinsam: Sie alle haben die Schulbank gedrückt, und das über einen recht langen Zeitraum und dabei unter anderem nicht nur mehrere Lehrpersonen und unterschiedliche Fächer, sondern mitunter auch unterschiedliche pädagogische Ansatzpunkte oder gar Schulsysteme kennen gelernt. Es schadet ja bekanntlich nicht, wenn etwas kritisiert wird. Vor allem, wenn es sachlich zu und her geht. Wenn etwas in der Schule nicht rund läuft, dann war es immer schon das Einfachste, entweder der Lehrperson die Schuld in die Schuhe zu schieben oder die negative Kritik am Schulsystem an sich aufzuhängen. Und von beiden gibt es derart viel, wie Farbnuancen eines Regenbogens: Lehrer ist nicht gleich Lehrer. Die heutige Rolle eines Lehrers ist nicht nur mehr das Unterrichten und Vermitteln des Lehrstoffs, sondern noch viel mehr. Eine Lehrperson im 21. Jahrhundert muss täglich unzählige Mails beantworten, an pädagogischen Fortbildungen teil nehmen und vermehrt auch die Rolle eines Erziehers übernehmen. In vielen Klassen wird im sogenannten Team-Teaching unterrichtet: Neben dem Klassenlehrer hilft ein Stützlehrer oder schulischer Heilpädagoge besonders leistungsschwachen Schülern. Das staatliche Schulsystem der Schweiz kann auch nicht so einfach vereinheitlicht werden. Die Feinheiten werden schliesslich vom Kanton, aber noch mehr von den einzelnen Gemeinden und Schulräten bestimmt. Darüber hinaus werden heutzutage immer mehr „alternative Beschulungsformen“ in Anspruch genommen: Von der englischsprachigen Privatschule über Montessoripädagogik frei nach Maria Montessori bis zu Rudolf Steiners Waldorfschule. Die Ausnahmen der Regel machen die Mischformen aus: „Mein Kind geht auf eine private Montessorischule mit Ganztagesbetreuung und gezielter Förderung der musischen und sportlichen Fähigkeiten“ hört man beispielsweise eine Mutter zu einer anderen Mutter sagen. „Hilf mir es selbst zu tun“ ist so ein vielgehörtes Motto aus Montessorikindergärten und –schulen. An Rudolf-Steiner-Schulen gibt es dann noch ungewöhnliche Fächer wie „Schmiedekunst“ und „Kosmik“ wo über den Untergang von Atlantis gelernt wird. Die Meinungen dieser pädagogischen Systeme mit eigener Fachdidaktik gehen hier genau so auseinander wie wenn man Schüler nach ihrem Lieblingsfach oder –lehrer befragt. Was die einen gut finden, kritisieren die anderen und umgekehrt. Ich denke, es muss ganz einfach zum Kind passen. Es gibt nämlich Kinder, für die ist Montessori genau das Richtige und Kinder, die sind im Regelunterricht am Besten aufgehoben. Schlussendlich gibt es das perfekte Schulsystem, die perfekte Schule und die perfekte Lehrperson nicht und es sollte in erster Linie immer um das Individuum gehen: Wie kann ich mein Kind am besten fördern und fordern und wo fühlt es sich am Wohlsten? sollte die Frage lauten. Gruppenzwang und etwas Neumodisches auszuprobieren sind leider oft die Hauptargumente, warum manche Kinder diese oder jene Schule besuchen müssen. Oder um es mit den Worten von Max Planck auszudrücken: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung – keine Bildung!“

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