Das Leben ist ein Karneval

Den Auftakt zur aktuellen Fasnachtsaison hat ein monotones Datum gehabt, an welchem ausgesprochen viele Hochzeiten statt fanden. Es bestand aus dem Zahlenspiel 11. 11. 11, 11 Uhr 11. In den nächsten Tagen kommt die närrische Zeit zu ihrem Höhepunkt.

Ein mancher stellt sich somit noch die quälende Frage: „Als was soll ich mich verkleiden?“ Tja, welche Maskierung ist wohl angebracht. Gibt es überhaupt so was wie einen Trend beim Fasnachts-Outfit? Was ist heuer „en vogue“, also voll in? Ob heuer noch gleich viel „Jack Sparrow“-Piratenverschnitte rum rennen als vergangene Fasnacht? Nun, die Geschmäcker sind verschieden und so auch die Verkleidungsmöglichkeiten. Manche bevorzugen es, in der Gruppe loszuziehen, andere legen grossen Wert auf Individualität und möchten um jeden Preis auffallen. Und nicht jeder hält sich längst an ein Motto, was etwa oft bei einem Ball propagiert wird. Die einen sind richtige „Faschingstiger“ und lassen sich keinen Umzug und keinen Fanachtball entgehen; die anderen mögen die sog. „fünfte Jahreszeit“ überhaupt nicht und verkriechen sich lieber in den eigenen vier Wänden. Doch fast alle Kinder lieben Fasnacht und verkleiden sich als Prinzessinnen, Hexen, Feen bzw. als Bob der Baumeister, Pokémons oder Teletubbies.

Bei den Erwachsenen werden die Kostüme dann mitunter etwas ausgefallener. Hier gibt es auch wieder zweierlei Vorlieben: Diejenigen, die sich ein 0815-Herz mit Lippenstift auf die linke Wange malen und einen alten Sombrero überziehen, um beim Fasnachtumzug, welcher ja nur wegen den Kleinen besucht wird, die Eintrittsgebühr „als Mäschgerle“ zu ersparen. Oder jene, die Karneval als Kind zu wenig ausgelebt haben und jetzt das Bedürfnis von Aufholbedarf verspüren bzw. noch nicht davon genug haben und von Jahr zu Jahr exzessiver feiern. Es sind auch Letztere, die hierbei tiefer in den Geldbeutel greifen – denn das edle Kostüm darf ruhig was kosten. Auffallend sind aber auch die vielen Frauen, die sich als Hexen verkleiden. Und jede Frau, die ich bislang danach fragte, hat sich irgendwann in ihrem Leben schon mal als Hexe oder ähnlichen Charakter verkleidet. Hingegen verkleiden sich Männer auch auffallend oft als Frauen und machen mit falscher Haartracht, ausgestopftem Dekolleté und High Heels die Szene unsicher. All jene, die diesen Reiz nicht (oder noch nicht) ausgelebt haben, steckten ansonsten bestimmt schon mal in einem Polizisten-, Cowboy- oder Indianer-Outfit.

Befürworter dieser Zeit, die mit Rosenmontag ihren Höhepunkt nimmt, am Faschingsdienstag das Trauerspiel feiert und am Aschermittwoch schon wieder vergessen ist, betonen stets, wie Toll es sei, wenigstens einmal im Jahr so sein zu können, wie man eigentlich ist – ohne sich ständig verstellen zu müssen. Sprich tun und lassen was man möchte, halt so richtig „die Sau raus lassen“. Wir alle tragen Masken! Und all diejenigen, die unterm Jahr nicht sich selbst sein können, legen diese zur Fasnacht ab. Andere wiederum ziehen eine andere Maske darüber. Die Gegner meinen nämlich, dass Fasnacht nur ein weiteres Event im Jahreskalender darstelle, um ein Alibi zum übermässigen Alkoholkonsum zu haben. Wie dem auch immer sei. Wie bei allem im Leben gibt es dafür und dagegen, pro und kontra, echt lustig oder nur Fassade! Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich Célia Cruz‘ Salsa-Hymne „La vida es un carnaval“ im Ohr. Dem kann ich nur beipflichten!

Was die Wenigsten wissen, sind die Ursprünge der sog. Fastnacht: Zu Beginn des 19. Jahrhundert konnten in Mainz die Franzosen und in Köln die Preussen strafffrei verspottet und verballhornt werden.

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